Chateau Courances

Fünfzig Kilometer südlich von Paris liegt nicht nur der alte Sitz der französischen Könige von Fontainebleau, sondern auch ein Schloss eines Wasser- und Forstministers, mit heutigen Worten, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Es war Cosme Clausse, der in Courances ab 1548 mit der Landschaftsgestaltung und einem Wassergarten als erste Phase dieses Gartens begann. Erstaunlich ist ebenso, dass bereits zu seiner Zeit ein bedeutendes Element der Gärten von Andre Le Notre seinen Ursprung nahm: der Grand Canal. Hier in Courances hat er eine Länge von 600 Metern, jedoch noch ohne architektonische Anbindung zum Schloss. Ein weiteres trapezförmiges Bassin mit vierzehn sandsteinernen, wasserspeienden Monsterfiguren, der Salle d’Eau, gehörte bereits ebenso zu dieser Zeit dazu. Nach weiteren Überformungen zeigt sich dieses Bassin heute mit einer 6700 Quadratmeter großen Wasserfläche. Die zweite Phase des Gartens steht mit dem Bau des eigentlichen Schlosses ab dem Jahr 1622 in Verbindung. Weitere Wasserelemente wurden ergänzt und die Ausweitung der Agrar- und auch Parkflächen geschah. Die Überschätzung der eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten der Eigentümer steht bei einigen historischen Schlössern und Parkanlagen im Kontext mit den Überformungsphasen und dem Wechsel in der Eigentümerschaft. Auch Courances ist ein Zeugnis, dass „Luftschlösser“ nicht nur mit der New Economy des 21. Jahrhunderts gebaut wurden. Eine Nebenlinie der Familie Gallard musste 1677 Courances aus der Auktion der Kreditgeber heraus kaufen, um es im Familienbestand halten zu können. Damit ging die dritte Gestaltungsphase im Garten einher, von der ein symmetrisches Spiegelbassin in der Schlossachse zeugt. Andre Le Notre war jedoch nicht an diesem Ort einbezogen. Eine Überformung in einen Ornamental Lake des Salle d’Eau ist ein Zeugnis von englischen Gestaltungseinflüssen ab 1768. Jedoch wurde auch an traditionellen Alleen festgehalten und die Anfahrtsallee 1782 wieder neu aufgepflanzt. Eine freistehende und nicht geschnittene Platane im Park  mit etwa 5,50 Meter Stammumfang kann auch auf diese Phase zurückgeführt werden. Mit dem Kauf des Anwesens durch Bankier Samuel de Haber 1872 beginnt die fünfte Phase der Parkanlage. Die Einflüsse des Mixed Style hinterlassen durch zwei Generationen ihre Zeichen im Park mit der Hinzufügung eines weiteren Bassins Dauphin und eines englisch beeinflussten Japanischen Gartens im Jahr 1908. Dieser zeigt Parallelen in der Pflanzenverwendung zu dem Garten des englischen Tatton Park. Die Landschaftsarchitekten Édouard André, Henri und Achille Duchêne wurden in dieser Phase mit einbezogen. Die Besatzung und militärische Nutzung des Parks im zweiten Weltkrieg ist Ausgangspunkt für die aktuelle Phase des Gartens. Der Rückbau dieser Beeinträchtigungen im Park und auch der Zufügungen am Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert kennzeichnen die Arbeiten in den 1950er und 1960er Jahren der Familie de Ganay. Erst kürzlich wurde ein romantisches Detail, ein „Liebesnest“ als Insel-Pavillon, umgeben von Wasser und mit Wasserspeiern, wiederhergestellt. Eine weitere Sensibilisierung in der Bewirtschaftung und eine detaillierte historische Aufarbeitung in den vergangenen Jahren kennzeichnen diesen vielschichtigen Wassergarten aus der Renaissance, der so romantische und französisch untypische Züge offeriert.

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